Rückblicke

Hier publizieren wir Rückblicke  über das Gedenkkonzert Reto Parolari welche uns von Konzertbesuchern erhalten und auf unserer Homepage veröffentlichen dürfen.

Rückblick Gedenkkonzert Reto Parolari

Katharina Wildermuth - Winterthur:

 

Lieber Reto,

Mit Pauken und Trompeten hat sich Dein Orchester an Deinem Gedenkkonzert verabschiedet. Es war ein würdiger Anlass, ein grossartiger Auftritt aller Musiker vor vollbesetzten Rängen im Theatersaal.

Marcela Cerno, Andrea Viaricci und Peggy Steiner haben mit ihrem Einsatz als Solistinnen das Publikum begeistert, und Michael Heim hat als Tenor und Gegenpart sein grosses Können und seinen ganzen Charme auf die Bühne gebracht. Die bekannten Melodien liessen die Herzen höher schlagen und die farbenprächtigen Roben und beschwingten Gesten der Damen entzückten das Auge. Du hättest Deine Freude gehabt!

Stefan Roth hat als Dirigent für Dich ein volles Klangfeld erarbeitet, keinesfalls als Nachahmer, sondern im Bewusstsein, dass jemand auf dem Podest agieren muss, um das Orchester ein letztes Mal ertönen zu lassen.

Und Regi Sager, die treue Seele, hat uns wunderbar durch den Abend geführt, hat da und dort eine Anekdote platziert – es war ganz in Deinem Sinn.

Mike Künzle hat sich auf die Bühne begeben und als Dein langjähriger Freund eine Hommage vom feinsten formuliert, sehr eindrücklich.

Robert Jarczyk-Kálmán (der Sohn des Komponisten Charles Kálmán) hat seinen Auftritt genutzt, um Seraina die Urkunde Deiner Ehrenpräsidentschaft in der neu gegründeten "Emmerich&Charles Kálmán Gesellschaft" zu überreichen. Deine Tochter war ein wenig überrumpelt, hat die Situation aber charmant gemeistert. Applaus!

Bevor ich zum Schluss komme, muss erwähnt werden, dass Annemarie Reimann eine reichhaltige Lichtbildschau zusammengestellt hat, die mit Wiederholungen auf die Wand im Foyer projiziert wurde, alle Lebensphasen in schönen Aufnahmen dargestellt, sehr berührend.

Und erst das Programmheft! Es war zwar eine Zangengeburt, aber das endgültige Produkt kann sich sehen lassen.

Die Auswahl der Stücke scheint mir sehr geglückt. Neben den Arien wurde auch Franz Lehárs Ouverture zu „Wiener Frauen“ gespielt und damit Brigitte Vinzens als Solistin am Piano gefeiert. Carlo Brunners „Klarinettenteufel“ mit Carlo Brunner himself, Walter Grimm und Markus Huser riss das Publikum aus den Sitzen hoch!

Nach dem „Grand Prix – Galopp“ von Charles Kálmán ertönten schon die ersten Takte „Ein Student geht vorb--“. Regi Sager taucht auf, unterbricht und meint: Das ist Retos Schlussmusik, die hat er mitgenommen, die kann niemals mehr erklingen. Das war stark.

Dafür ertönte der "Cirque dans l'univers" vom Circusfestival Monte Carlo, und wir hören es: Die Show ist vorbei, das Orchester löst sich auf, verstreut sich in alle Winde.

Beim traditionellen Imbiss herrscht eine locker-fröhliche Stimmung; alle wissen: Die Hauptperson ist zwar nicht körperlich anwesend, aber trotzdem präsent.

Mit vielen unvergesslichen Erinnerungen und in Gedanken ganz bei dir grüssen wir dich, wo immer Du auch bist...

Eva M. Labhart, 8127 Forch                                            

 

Abschiedskonzert für Reto Parolari von seinem Orchester

Sonntag, 5. September 2021 im Stadttheater Winterthur

 

Dieses Konzert wird den Konzertbesuchern im vollen Haus des Stadttheaters immer in Erinnerung bleiben. Aber auch, dass die Winterthurer Presse es nichtfür notwendig hielt, über diesen sehr schönen, aber auch emotionalen Anlass zu schreiben. Warum hatte man keine Zeit, über das wunderschöne Konzert des Winterthurer Musikers und wirklich treuen Sohnes der Stadt Winterthur, der am 3. Dezember 2019, ein paar Tage vor seinem plötzlichen Tod, von der Stadt Winterthur den Kulturpreis erhielt, zu berichten? Bereits sein Vater, der berühmte Oboist Egon Parolari, wurde mit diesem Ehrenvollen Preis ausgezeichnet.

Nicht zu vergessen ist Reto Parolaris jährliche Mitwirkung als Dirigent beim Zirkusfestival «Monte Carlo», wo er seinerzeit von Fürst Rainier engagiert wurde.

Das Konzert wurde von Reto’s Orcherster mit grosser, aber auch trauriger Begeisterung vorgetragen. Man spürte bei jedem Stück eine gewisse Melancholie über den Verlust ihres Dirigenten.

Die bekannte Radio-Moderatorin, Frau Regi Sager, die das Orchester während vieler Jahre in ihrer charmanten und herzlichen Art begleitet hatte, führte mit ihrer sensiblen und feinfühligen Art durch das Konzert. In meiner nächsten Umgebung wurden immer wieder Tränen aus den Augen gewischt. So gerührt waren die Konzertbesucher.

Das Orchester, geleitet von Stefan Roth, spielte gekonnt, als hätte ihr Chef dirigiert. Die Auswahl der Stücke war so gewählt, als hätte Reto sie selbst ausgesucht. Besonders bei Ernst Fischers «Südlich der Alpen» – einfach ein grossartiges Werk, diese Suite in vier Sätzen – erinnerte Frau Regi Sager daran, dass Reto Parolari ihn persönlich sehr gut gekannt hatte. Sie waren «fast» Nachbarn im von beiden heiss geliebten Tessin.

Auf das ganze Konzert näher einzugehen, würde den Rahmen hier sprengen. Zu erwähnen sind die Sopranistinnen MARCELA CERNO, ANDREA VARICCI, PEGGY STEINER und der Tenor MICHAEL HEIM. Sie alle haben öfters unter der Leitung von Reto Parolari mitgewirkt. Und auch die langjährige Pianistin Brigitte Vinzenz brillierte am Klavier.

Vor der Pause wurde das speziell zu Ehren von Reto Parolari für drei Klarinetten arrangierte Stück "Klarinettenteufel" von dessen Komponisten CARLO BRUNNER und seinen Klarinetten-Kollegen WALTER GRIMM und MARKUS HUSER mit dem Orchester zusammen brilliant vorgetragen.

Der Stadtpräsident von Winterthur, MICHAEL KUENZLE, liess es sich nicht nehmen, sehr persönliche Worte und seine Anteilnahme am plötzlichen Tod von Reto an die Konzertbesucher zu richten. Er selber wirkte in einem Konzert des Zivilschutz-Orchesters Winterthur als Solist mit dem Saxophon mit. Und er erinnerte sich gerne an die vielen wunderschönen Begebenheiten mit Reto Parolari.

Der Enkel des berühmten Komponisten Emmerich Kalman (u.a. Cardasfürstin etc.), Herr Robert Jarczyk-Kálmán, angereist aus München, richtete fast am Ende des Konzertes die Worte an die Anwesenden und überreichte der im Publikum sitzenden Tochter, Seraina Parolari, die Urkunde der Ehrenpräsidentschaft von Reto Parolari in der neu gegründeten «Emmerich&Charles Kálmán Gesellschaft»!

Wer je in einem der Konzerte des Orchesters Reto Parolari war, wusste, dass als ultimativ letztes Stück und Zugabe immer das Stück von Julio C. Ibanez, «Der Student geht vorbei» gespielt wurde. Reto nahm jeweils den Konzertmeister an der Hand und verlies die Bühne. Dieses Mal nicht – der Schmerz wäre zu gross gewesen –, und so entschloss sich das Orchester, sich mit «Cirque dans l'univers» (bekannt vom Circusfestival Monte Carlo) zu verabschieden.

Mit einem lang anhaltenden Applaus des Publikums verabschiedete sich das Orchester Reto Parolari.

 

Alfred Reichle - Zuchwil/Solothurn

GEDENKKONZERT  RETO PAROLARI

 

Am 5. September 2021 fand im Theater Winterthur zu Ehren des viel zu früh verstorbenen Reto Parolari ein Gedenkkonzert statt. Viele Freunde und Weggefährten des Maestros wohnten diesem denkwürdigen Konzert bei, freuten sich an den Musikstücken, erinnerten sich an viele Begegnungen, erlebten viele Hühnerhautmomente und wischten sich dann und wann Tränen der Trauer aus dem Gesicht.

Aufgespielt hat das im Jahre 1973 gegründete Orchester Reto Parolari (ORP), das nun vom gebürtigen Winterthurer Dirigenten Stefan Roth geleitet wurde. Am Flügel begleitete Retos langjährige Bezugsperson, Brigitte Vinzens. Reto plante, 2023 zum 50. Geburtstag seines Orchesters ein Jubiläumskonzert zu geben. Soweit kommt es nun leider nicht. Das Gedenkkonzert zu Ehren von Reto Parolari war zugleich auch der letzte Auftritt dieses Orchesters. Mit der Auflösung des ORP verschwindet eine Referenz, die ohne Kompromisse für die gehobene Unterhaltungsmusik eingestanden ist.

Das umfassende von Reto Parolari initiierte Notenarchiv wird durch Ueli Anderes und Daniel Bosshard weiter betrieben. Die beiden Weggefährten von Reto Parolari waren  es denn auch, die das Programm für das Gedenkkonzert zusammengestellt  haben. Die ausgewählten Musikstücke widerspiegelten denn auch das Leben und Wirken des Maestros. Eröffnet wurde das Konzert mit dem "Spanischen Marsch" von Josef Rixner. Mit diesem Stück eröffnete Reto Parolari sein allererstes Konzert am 1.Juli 1973 auf dem Serenadenplatz in Winterthur. Auch die weiteren  Musikstücke erinnerten  an verschiedene  Lebensabschnitte von Reto und seiner besonderen Affinität zum Tessin und zur Stadt Wien.

Bereichert wurden die Musikstücke durch die wunderbaren Gesangsstimmen des Tenors, Michael Heim, seiner Partnerin Peggy Steiner und den weiteren Sopranistinnen Andrea Viaricci und Marcela Cerno. Ein weiteres Highlight des Gedenkkonzerts war das von Carlo Brunner komponierte und vom Klarinettentrio Brunner-Grimm-Huser virtuos vorgetragene Solostück "Klarinettenteufel". Aufgrund des stürmischen Beifalls sah sich das Orchester veranlasst, das temporeiche Musikstück sehr zur Freude des Publikums zu wiederholen.

Als Zugabe und allerletztes Musikstück spielte das Orchester den vom Internationalen Circusfestival von Monte-Carlo bestens bekannte Circusmarsch: Le Cirque dans l'Univers. Damit endete nicht nur das Gedenkkonzert zu Ehren des verstorbenen Reto Parolari. Mit der Auflösung dieses wunderbaren Orchesters endet auch eine Ära der gehobenen Unterhaltungsmusik, die ihre Strahlkraft weit über die Landesgrenzen hinaus hatte. Diesen Eindruck äusserten auch die Laudatoren, darunter der Enkel des ungarischen Komponisten, Emmerich Kalman, der dem Verstorbenen die Ehrenpräsidentschaft der Kalman-Stiftung verlieh.

 

Auch wenn Reto Parolari nicht mehr unter uns ist, hat er uns mit seiner unbeschreiblichen Schaffenskraft ein riesiges Vermächtnis hinterlassen. Dafür sind wir Reto dankbar und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.